Schwerpunkt 2015: Datenschutz

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Der zweite Tag stand passend zum Thema des Jugendforums NRW unter dem Motto Datenschutz. Ramak Molavi von iRights.Law hielt einen Vortrag über „Games & Persönliche Daten“ und stand gemeinsam mit Linda Kruse von TheGoodEvil, Silke Knabenschuh von der AJS und Marco Siegmund vom CTRL-Blog.de im Rahmen einer Podiumsdiskussion für Fragen zur Verfügung. Anschließend stellten verschiedene Institutionen medienpädagogische Praxisprojekte vor, um den Teilnehmenden Ideen und Vorschläge für ihre Arbeit zu liefern. Um den Tag abzurunden, konnten die Interessierten an einer Führung über den Bildungsbereich der gamescom und das Jugendforum NRW teilnehmen. Auch hier hatten sie Gelegenheit, sich mit medienpädagogischen Einrichtungen und Institutionen auszutauschen.

Hier finden Sie Berichte über die einzelnen, vorgestellten Projekte:

Clever durchs Netz mit „watch your web“

Verbraucherschutzorientierte Jugendinformation und Jugendmedienbildung im Netz

Logo_wywEin Beitrag von Melanie Welters

watch your web informiert junge Menschen über verbraucher- und datenschutzschutzrelevante Themen im Internet. Ziel des Projekts ist es, Jugendliche in ihrer Netzkompetenz zu stärken und sie für die Risiken im Umgang mit persönlichen Daten im Web zu sensibilisieren. Online wie auch offline stellt das Projekt Informationsangebote zu Sicherheit in sozialen Netzwerken, Abzocke im Internet, Handysicherheit sowie Datenschutz, Verbraucher- und Urheberrechte im Internet bereit. Gefördert wird watch your web vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). Träger des Projekts ist IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Verständlich, unterhaltsam, jugendgerecht. Auf dem Informationsportal www.watchyourweb.de können junge Menschen tagesaktuelle News zu Facebook, Google & Co., Sicherheitslücken oder Phishing-Angriffen nachlesen, ihr Wissen zu komplexeren Themen rund ums Web auffrischen oder mithilfe der Tutorials ihre Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken vornehmen. Um einzelne Themen noch anschaulicher darzustellen, erscheint alle zwei Monate eine Folge des Videomagazins watchyourweb.TV auf YouTube. Darin liefern sich der Held Webman und der Bösewicht Data Devil einen Schlagabtausch, um Jugendlichen das betreffende Thema auf kurzweilige Art näher zu bringen und zum Nachdenken anzuregen. Gemäß der Prämisse „Dahin gehen, wo die Zielgruppe ist“, ist watch your web auch in sozialen Netzwerken aktiv. Jugendliche sollen in den Communities dazu animiert werden, sich über die Themen des Portals zu informieren und sich auch selbst an Diskussionen zu beteiligen. So können datenschutzrelevante Themen dort diskutiert werden, wo sie den Jugendlichen begegnen: auf Facebook & Co.

Untereinander vernetzt. Aktuelle Nutzungszahlen zeigen, dass Jugendliche sich vermehrt Angeboten der mobilen Internetnutzung zuwenden. Facebook verliert vor allem junge Nutzer/-innen zugunsten mobiler Kommunikationsangebote, wie WhatsApp oder Snapchat. Diese erlauben, blitzschnell per Smartphone zu chatten, Fotos oder Videos zu teilen. Um junge Menschen weiterhin zu erreichen, bildet watch your web seit 2013 Infoscouts aus. Das peer-to-peer-Projekt bindet Jugendliche partizipativ in die verbraucherschutzorientierten Jugendinformation ein. In Workshops lernen sie Neues und entwickeln eigene Ideen, wie sie ihre Erfahrungen in der digitalen Welt vermitteln können. Als Infoscouts beraten sie nun andere Jugendliche – in sozialen Netzwerken, in der Schule und auf Veranstaltungen – sie sprechen Gefahren an, zeigen sichere Verhaltensweisen auf und informieren über die Arbeit von watch your web. Jugendliche lernen am besten von Gleichaltrigen und sind auch in der Lage, ihr Wissen und ihre Kompetenzen über die geeigneten Kanäle zu verbreiten, die andere junge Menschen verstärkt nutzen.

Informieren geht auch anders. watch your web ist dem mobilen Trend gefolgt und hat 2015 mit QuizYourWeb, eine kostenlose Quiz-App für Smartphones und Tablets entwickelt, bei der Jugendliche ihr Wissen rund um das Themenfeld „Sicherheit im Netz“ auf den Prüfstand stellen können. Durch die Option im Mehrspielermodus gegen Freunde anzutreten, sorgt die App auch offline für Gesprächsstoff und bei über 1000 Quizfragen wird das Ganze auch nicht so schnell langweilig. Wer Antworten auf Fragen wie „Was sind Cookies?“, „Was machen Produktpiraten?“ und „Wie kannst du dich gegen Datenklau schützen?“ kennt, kann bei QuizYourWeb punkten. Nach jeder Frage erscheint ein Kasten mit einer kurzen Erklärung zu der richtigen Antwort. So kombiniert QuizYourWeb Unterhaltungselemente mit dem Anliegen Information und Bildung zu vermitteln.

Mitreden. Längst ist die digitale Welt ein Kernthema der Politik geworden, jedoch ist es für Jugendliche häufig schwer, ihre Interessen zu artikulieren. Aus diesem Grund, veranstaltet watch your web am 31.10. und 1.11.2015 eine Konferenz in Berlin, die Jugendliche mit Verantwortlichen aus der Politik und Fachleuten zusammenbringt, um die Möglichkeiten von jugendgerechtem Verbraucherschutz zu thematisieren. Bei den watch your web_Days haben 80 junge Menschen die Möglichkeit, ihre Forderungen und Wünsche zu Netzpolitik, Daten- und Verbraucherschutz in Workshops zu erarbeiten und mit Verantwortlichen aus der Politik sowie Expertinnen und Experten zu diskutieren. In Form einer Agenda werden die Forderungen zum Abschluss an Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV), überreicht. Mit der Konferenz möchte watch your web Jugendlichen eine Plattform bieten, wo sie Wünsche, Erfahrungen und Ideen aus ihrem Alltag im Netz einbringen, zentrale Fragen der verbraucherschutzorientierten Netzpolitik diskutieren und an politische Entscheidungsträger herantragen können. 

 

SAMSUNG CSC

 

Selfies – Selbstdarstellung im Internet

indexEin Beitrag von Eva Kukuk

Selfies sind für Jugendliche ein zentrales Thema. Wesentliche Entwicklungsaufgaben spiegeln sich darin wider: Selbstdarstellung, Selbstausdruck und das Experimentieren mit verschieden Rollen, Maskeraden, Kontexten, und das Testen der eigenen Wirkung im sozialen Umfeld. Dass diese Experimente und Selbstinszenierungen auch mal zu weit gehen können und nicht bei allen den gewünschten Effekt erzielen, gehört dazu, kann aber zu persönlichen und rechtlichen Problemen führen.

Jugendmedienarbeit hat also vielfältige Gründe sich kreativ und kritisch mit Selfies zu befassen. Im Rahmen des GMK-M-Teams, einem Projekt, das direkt in der Jugendarbeit medienpädagogische Workshops realisiert, und auch innerhalb weiterer Aufgaben der GMK im Land NRW, hat die GMK 2014 zu dem Thema „Selfies“ eine ganze Reihe von Veranstaltungen gewidmet:

Zunächst fand am 25. März die NRW-Tagung „Selfie, Pose, Kult“ statt.
Im Mittelpunkt stand der mediale Selbstausdruck Jugendlicher zwischen Experimentierfreude, Jugendschutz, und Selbstbestimmung. Die Fachtagung richtete sich an pädagogische Fachkräfte der Jugendmedienarbeit, beleuchtete das Thema „Selfie“ aus kultur- medien- und erziehungswissenschaftlicher Sicht und diskutierte seine medienpädagogische und jugendpolitische Relevanz. (Texte dazu: Dieter Baacke Handbuch 9)
Das GMK-M-Team führte auf dieser Tagung zum ersten Mal eine Selfie-Werkstatt durch, bei der die Fachkräfte der Jugendarbeit, teilweise zum ersten Mal, selbst mit Selfies experimentieren konnten.

Auf dem Familientag „Games On!“ in der Bielefelder Bibliothek und der Paderborner ComBi, der Computerbibliothek, wurde vom GMK-M-Team die Selfie-Werkstatt zum Thema „Verfremdet“ angeboten: Es wurde mit „analogen“ Mitteln wie Brillen, Nasen, Masken, oder Tierschnauzen und –schnäbeln experimentiert. Der Familienaktionstag GAMES ON! richtet sich an Kinder und Jugendliche, Familien, Pädagoginnen und Pädagogen und bietet Mitmachangebote und Informationen rund um Computerspiele und Jugendschutz.

Im Rahmen des medienpädagogischen Angebotes „Mehr als Knipsen“ hat die GMK im Auftrag des Kulturamts Bielefeld im Kontext einer großen Fotokunstausstellung mit über 300 Teilnehmenden im Alter von 10-18 Jahren aus vielfältigen sozialen Milieus medienpädagogische Workshops veranstaltet. Auch dort wurden Selfies erstellt, die die Kinder und Jugendlichen anregten, sich selbst ganz bewusst zu Themen wie „Mein Ort“, „Freundschaft“, „Experimente“ zu inszenieren.

Das GMK-M-Team hat das Konzept der „Selfie-Werkstatt“ aufgegriffen und als Methode für die Arbeit mit Jugendlichen entwickelt.
Zu dem Workshop gehören sowohl das Anschauen und diskutieren von Bildern, als auch eigenes, kreatives Fotografieren.

Konkret arbeiten wir in den Workshops mit einer PowerPoint: Nach einer eher lustigen Einführung, die auch Fake-Selfies enthält (z. B. von Darth Vader, Mona Lisa), gibt es Beispielfotos zu Themen wie:

  • Schönheitsideale

Die Jugendlichen werden angeregt, mit Selfie-Standards zu spielen, nach gängigen Selfie-Regeln „schöne“ und danach ganz konträr „hässliche“ Fotos zu machen

(Tiefergehend: Was finde ich an mir nicht so schön? Warum nicht? Ein Selfie machen, das diese(n) Punkt(e) nicht versteckt)

  • Scham- und Peinlichkeitsgrenzen
    Hier werden Eigen- und Fremdwahrnehmung von Bildern diskutiert mit Fragen wie:
  • Wie empfindest du diese Fotos?
  • Wie glaubst du, hat der Fotograf/die Fotografin die Fotos gesehen?
  • Denkst du, der Junge/das Mädchen ist am nächsten Tag/im nächsten Jahr noch glücklich über das Foto?
  • Glaubst du die anderen Personen auf dem Bild sind gefragt worden, ob sie mit der Veröffentlichung des Fotos einverstanden waren?
  • Ist es sonst legal, das Foto zu veröffentlichen?
  • Falls Ja: Ist es nett, das zu tun?
  • Dürfen andere, wenn dein Foto im Netz ist es herunterladen und verschicken, bzw. woanders posten?

Die Teilnehmenden bekommen z.B. die Aufgabe, ein „privates“ Bild zu machen, das sie lieber nicht posten würden, und eines, das sie ohne Bedenken ins Netz stellen würden

  • Sexting (verschicken von „heißen“ Bildern)
    Was kann passieren? (Trennung, Versehentliches Hochladen, ungewünschtes Weiterleiten…)
    Wie kann ich möglichst sicher „heiße“ Bilder von mir verschicken? (möglichst anonyme Bilder, kein Gesicht, Muttermale, Tatoos,…)
  • Orte und Situationen, in denen Selfies gemacht werden (Beerdigungen, Konzentrationslager, Gewaltsituationen…)
    Ist es immer und überall angebracht ein Selfie zu machen? (Offene Diskussion: Oft kommt es mehr auf die Haltung an, als auf den Ort)
  • Ver(schlimm)besserungen mit Photoshop
  • Anonymisieren von Fotos durch Verfremdungsapps (z.B. Cartoon-Apps, PicSay, FotoBooth…)

Die Selfies, die in den verschiedenen Praxisphasen gemacht werden, werden in der Gruppe offline präsentiert und besprochen.
In den Gruppen sind die Urteile über die von uns gezeigten Bilder oft von gnadenloser Schärfe. Wir thematisieren auch Shitstorms, den Umgangston im Internet und versuchen, neben der Aufklärung ethische Grundsätze zu diskutieren und eine empathischere Sichtweise auf einige der bestimmt oft spontan geposteten Bilder zu wecken.
Die Fotos aus den Gruppen sind in der Regel sehr fantasievoll und lustig:
10jährige beim Nasebohren, Fake-Parties mit Apfelsaft statt Bier, Posieren mit rauchenden Weihnachtsmännern, Selbst-Präsentationen mit Nutella Gläsern und vieles mehr.

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Fit für die Datenflut

 Ein Beitrag von Sabine Sonnenschein

Wenn Daten das „Rohöl der Zukunft“ sind, wem gehören diese Daten und die Gewinne daraus? Wenn jede Person in unserem Land eine digitale Spur hinterlässt, was bedeutet das für die Demokratie? In welchem Verhältnis steht unser Bedürfnis nach Sicherheit und Bequemlichkeit zu unserem Wunsch nach Freiheit? – das sind Fragen, die wir in unserem gerade erschienenen Materialienpaket BIG DATA IN DER JUGENDHILFE aufgreifen.

Auf diese Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten, doch führen sie uns im Gespräch mit Jugendlichen und Multiplikatoren mitten hinein in eine Diskussion und bilden einen wichtigen Baustein auf dem Weg zu einem datensensiblen Medienumgang. Ob Elternabend in der Schule, Selfie-/Portaitworkshop, Mediencamp für junge Medienkritiker oder kreatives „Fun Hacking für junge Querdenker“ … hier  bietet das jfc Medienzentrum vielfältige Angebote, in denen ausgehend von den Mediennutzungsstilen junger Leute nicht nur Aufklärung und Diskussion initiiert wird, sondern auch eine kreative Auseinandersetzung rund um die vielfältigen Fragen der Datensicherheit.

Die im Materialienpaket Big Data zusammengestellten Informationen, Tipps und Methoden werden durch Ansätze in vielen Projekten und Seminaren des jfc Medienzentrums aufgegriffen. Einige Beispiele:

Der Umgang mit Fotos – sei es bezogen auf das digitale Ich wie auch die Bilder von anderen Leuten ist bei Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Datenschutz von einer gewissen Sorglosigkeit geprägt. In unserer von Bildern dominierten Gesellschaft, in der jedes Foto nur einen Klick von der weltweiten Verbreitung entfernt ist, sollten Kinder und Jugendliche als überaus aktive Bildproduzenten über Bilder und ihre Mechanismen Bescheid wissen. Neben Bildkompetenz und der Förderung es kreativen Ausdrucks mit dem Leitmedium Fotografie ist der verantwortungsbewusste Umgang mit Bild- und Persönlichkeitsrechten wesentliches Ziel des fotopädagogischen Projektes KAMERAKINDER für die 6-12 Jährigen. Schon auf der  Projektwebsite wird Datensicherheit großgeschrieben: Kinder wie auch Erwachsene werden ausführlich auf die Einhaltung die Persönlichkeits- und Urheberrechte hingewiesen. Alle eingehenden Bildbeiträge werden auf ihre Kindertauglichkeit hin überprüft. Die Kinder melden sich nur mit einem Spitznamen und einem „KameraKind-Avatar“ an und können Fotos erst hochladen, wenn eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegt.

Kamerakinder-Workshops machen das praktisch erfahrbar: „Online-Offline“ hieß ein Seminar mit Mädchen, die in einem Workshop Portraits voneinander machten. Dabei entstanden zum einen– ganz bewusst – private Bilder, die sie nur Freunden und Familie zeigten. Und es entstanden zum anderen Bilder für die (Netz)Öffentlichkeit. Diese zeigten  ein völlig anderes Bild von Ihnen. Was will ich zeigen? Was darf ich zeigen? Aber auch: Was geschieht mit meinen Bildern auf Instagram oder Facebook?– Diese Themen sind heute selbstverständlicher Bestandteil der Fotoworkshops im jfc , die einen kreativen und kritischen Umgang mit dem Medien Fotografie fördern.

Spinxx- das Onlinemagazin für junge Medienkritik

Welche Suchmaschine nutze ich, warum kann Facebook und Whatsapp eigentlich kostenlos sein – und zugleich zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gehören? Die jungen Medienkritiker aus vielen Städten NRWs diskutieren im Rahmen des Projektes Spinxx– immer wieder solche Fragen – untereinander und auf den jährlichen Kritikergipfeln (in diesem Jahr zum Thema YouTube). Schon bei der Erstellung Ihres Redakteursprofils erfahren die Jugendlichen, dass das Netz nichts vergisst und Achtsamkeit geboten ist, da einmal eingestellte Informationen von Anderen kopiert und gespeichert werden, auch wenn man sie selbst später löscht. Sie erleben, dass man auf www.archive.org längst vom Netz genommene alte Versionen von Websites immer noch betrachten kann.

Im Zuge der Erstellung der Broschüre BIG DATA IN DER JUGENDHILFE, die neben Hintergrundinformationen auch einem umfangreichen Servicebereich und methodische Anregungen enthält, wurden zahlreiche Methoden und Spiele mit Jugendlichen getestet: („ Mein Tag in Datenspuren“ oder „Data Dealer“).  Unsere praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zeigt:  Die pädagogische Arbeit zur Datensensibilität ist ein gemeinsames Suchen nach dem richtigen Maß und Weg: „Die ganz private Balance zwischen den Interessen des Individuums und den Möglichkeiten einer vollvernetzten Welt zu finden ist das Ziel“, wie Constanze Kurz und Frank Rieger in ihrem Buch „Die Datenfresser“ schreiben.

 

HvB gegen Cybermobbing

Ein Beitrag von Verena Kranz

Medienkompetenz zählt zu den Schlüsselqualifikationen in der modernen Informationsgesellschaft. Die SchülerInnen des HvBs werden aktiv darin unterstützt, diese Kompetenz auszubilden.[1]

Doch neben vielen Chancen, die das Internet und soziale Netzwerke bieten, stehen in der Öffentlichkeit oft die problematischen Aspekte im Vordergrund. Vor allem Cyber-Grooming und Cyber-Mobbing wecken das öffentliche Interesse und führen zu der Forderung nach medienpädagogischer Förderung und Prävention seitens der Schule. Will die Schule präventiv in Bezug auf Cyber-Mobbing tätig werden, muss sie sich das Ziel setzen, die Einstellungen und Verhaltensweisen der Jugendlichen langfristig so zu verändern, dass Voraussetzungen für einen gewaltfreien Umgang miteinander geschaffen werden.[2] Um diese zu gewährleisten, fußt das Programm des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums auf drei Säulen: Prävention, Kommunikation und Konsequenz.

Um präventiv arbeiten zu können, ist die Zusammenarbeit aller Schulinstanzen notwendig. Die SchülerInnen werden mit Beginn der fünften Klasse mit dem Thema „Verantwortungsvoller Umgang mit Medien“ konfrontiert. Insbesondere das neu etablierte Fach Soziales Lernen hat – neben der Förderung der sozialen Kompetenz der SchülerInnen innerhalb und außerhalb des Klassenverbandes – das Ziel, die Kinder für den verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu sensibilisieren, indem verschiedene Projekte, zum Beispiel Workshops in Zusammenarbeit mit medienpädagogischen Einrichtungen, mit den Kindern stattfinden. In der siebten Jahrgangsstufe liegt der Fokus verstärkt auf der Vermeidung von Cybermobbing, indem ein Projekttag zu dieser Thematik im Schuljahr fest installiert ist. Inhalt dieses Tages sind etwa Definitionsversuche von Cybermobbing und Rollenspiele, um den Kindern eine subjektive Einfühlung in die Täter-/Opfer- sowie Mitläufer-Rolle zu ermöglichen. Hierbei wird verstärkt mit dem Kurzfilm „Let’s fight it together“ gearbeitet. Hinzu kommen Begegnungen mit älteren SchülerInnen, die selbst von Cybermobbing, ob als Täter oder Opfer, betroffen waren, sowie Gespräche mit externen Instanzen wie der Kriminalpolizei Köln.

Doch um eine ganzheitliche Aufklärung gewährleisten zu können, ist die Einbeziehung der Eltern von großer Wichtigkeit. Deswegen findet in jedem Schuljahr ein Informationsabend für die Eltern der Unter- und Mittelstufe statt, an welchem sie über neue Entwicklungen und Fallen neuer Medien informiert werden. Auch hier arbeitet das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium verstärkt mit Medienpädagogen zusammen.

Zudem nehmen die KollegInnen regelmäßig an Fortbildungen teil und kommunizieren die neuen Erkenntnisse in Konferenzen an das Kollegium und insbesondere die Klassenlehrer. Angedacht ist, in Zukunft schulinterne Fortbildungen durchzuführen.

Die Kommunikation über Vorfälle von Cybermobbing ist essentiell, so dass die Schule – repräsentiert durch die Klassenlehrer oder die Cybermobbingbeauftragte der Schule – im Falle eines Vorkommnisses das Gespräch mit allen Beteiligten sucht. Der Umgang mit Opfern und Tätern ist dabei besonders wichtig und verlangt gleichzeitig großes Fingerspitzengefühl. Es muss darauf geachtet werden, dass der private Rahmen geschützt wird und sich weder Opfer noch Täter weiterem öffentlichen Spott ausgesetzt sehen. In Bezug auf die Opfer des Cybermobbings mag dies einleuchten, doch Schule hat auch gegenüber den Tätern eine Fürsorgepflicht, sollten sie SchülerInnen des Gymnasiums sein. In enger Zusammenarbeit mit Schulleitung und der Schulsozialarbeiterin finden getrennt voneinander Gespräche mit Opfern und Tätern statt und es wird beraten, welche weiteren Schritte unternommen werden können. Diese sind zum Beispiel die Dokumentation der Mobbingfälle anhand von Screenshots, das sofortige Löschen der betreffenden Bilder oder Texte sowie die Kontaktaufnahme mit der sozialen Plattform (Instagram, etc). Insbesondere bei den Opfern ist zusätzlich oft eine intensive psychologische Beratung notwendig, die ihnen bei der Verarbeitung helfen kann.

Falls Fälle von Cybermobbing auftreten, hat das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium es sich zur Aufgabe gemacht, diese konsequent zu verfolgen. Dies hat den Zweck, dass Nachahmer abgeschreckt werden und die SchülerInnen der Schule in einem geschützten Rahmen unbelastet lernen und arbeiten können.


 

[1] Vgl. Schulprogramm des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums, II, 7 (http://www.hvb-gymnasium.de/menuitems/show/183) , 24.8.2015.

[2] Eisel, Inga: „Schulportfolio Hildegard-von-Bingen-Gymnasium“, Projekttag Cybermobbing.

 

Der Datendieb – Ein Mobile-Game zum Thema Datenschutz

ku__datendieb__wall-logo4__15-06-12_titelbildSpätestens seit der NSA-Affäre um Edward Snowden ist das Thema Datenschutz in aller Munde. Wir sind mit unseren Daten vorsichtiger geworden, denn der Internethandel mit privaten Daten von Millionen von Menschen boomt. Besonders junge Menschen, die „Digital Natives“, kennen die Welt ohne Internet nicht mehr. Sie gehen daher oft unbedarfter als Erwachsene mit privaten Daten im Netz um. Hier sind Eltern und Lehrer gefragt, Kinder und Jugendliche für den Schutz ihrer Daten zu sensibilisieren. Stichwort: Medienkompetenz.

Jetzt gibt es ein neues Online-Spiel, das sich dem Thema Datenschutz auf spielerische Art nähert. Das Spiel „Der Datendieb“ wurde von 13 Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Leipzig innerhalb eines dreiviertel Jahres entwickelt. Es beschäftigt sich mit dem Thema Datendiebstahl. Der Spieler begibt sich auf die spannende Jagd nach dem Datendieb. Insgesamt müssen vier Stationen mit unterschiedlichen Aufgaben bewältigt werden, um am Ende den Datendieb zur Strecke zu bringen und die Hoheit über die eigenen Daten zurückzuerhalten. Das Spiel ist außerdem mit kleinen Infotexten gespickt, sodass der Spieler ganz nebenbei Wissenswertes rund um das Thema Datenschutz lernt.

Gespielt werden kann einzeln oder in Gruppen sowie miteinander oder gegeneinander. Geeignet ist es für Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren. Konzipiert wurde das Spiel auch und vor allem für die Nutzung im schulischen Rahmen.

Wer es spielen möchte, kann dies ab sofort tun. Da der Datendieb mit Hilfe der interaktiven Education-App „Actionbound“ entstanden ist, muss sich jeder Spieler diese App (für iOS und Android verfügbar) zuerst kostenlos auf Smartphone oder Tablet herunterladen. In der Suchmaske der App kann dann über das Stichwort „Datendieb“ das Spiel geladen und sofort losgespielt werden. Dabei entstehen keinerlei Kosten für den Spieler.

Das Spiel „Datendieb“ entstand im Rahmen eines Projektes der Leipziger Medienbüros klangumfang in Kooperation mit dem Werk 2 – Kulturfabrik Leipzig e.V. und dem Friedrich-Schiller-Gymnasium Leipzig. Gefördert wurde das Projekt von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien.

Die Gruppe

 

Vernetzte Welt – auch in der medienpädagogischen Arbeit

Ein Beitrag von Leo Cresnar

Wenn wir Kindern und Jugendlichen mit medienpädagogischen Angeboten begegnen und ihnen Informationen, Impulse und Erfahrungen mit auf den Weg in ihre analoge und digitale Welt geben, dann ist es wichtig, auch ihre Lebensräume und Kommunikationspartner mit einzubinden. Dabei gilt es in erster Linie, Verhalten und Nutzereigenschaften zu benennen, zu reflektieren und damit einen persönlichen Standpunkt zu ermöglichen. Durch möglichst unterschiedliche Angebote und Impulse sollen die Teilnehmenden mit „Kopf, Hand und Herz (Bauch)“ angesprochen werden und Lösungsvorschläge/Strategien entwickeln bzw. sich einer komplexen Problematik bewusst werden.

Dazu können eine Vielzahl an bereits vorhandenen Materialien und Angeboten miteinander vernetzt und kombiniert werden. Neben der Einsparung von Kosten ermöglicht eine Vernetzung auch die übergreifende Zusammenarbeit unterschiedlicher Institutionen und Fachkräfte aus Jugendarbeit, Schule und Beratung und die Einbeziehung unterschiedlicher Fachleute in einem Sozialraum /Stadtteil.

Für mich heißt das bei medienpädagogischen Angeboten:

Einbindung von Eltern
Elternabende/Eltern-Gesprächskreise in denen die Erziehungsberechtigten informiert werden, was Kinder und Jugendliche im Netz machen und wo Herausforderungen, Chancen und Gefahren sind.
Mit ihnen ins Gespräch kommen und den Austausch untereinander anregen (z.B: Initiative Eltern und Medien). Eingeladen werden die Eltern über Jugendzentren, Schulen oder andere Bildungseinrichtungen vor Ort.

Einbindung von pädagogischen Fachkräften in Jugendarbeit und Schule
Durchführung von Fachtagen in Absprache mit dem Jugendamt zur Qualifizierung von Haupt- und Ehrenamtlichen sowie Unterrichtenden und die Durchführung von Medienkompetenztagen/speziellen Angebote in Jugendeinrichtungen und Schulen. Schaffung von Sensibilität und Möglichkeit zur Vernetzung z.B. durch weiterführende Angebote und Bereitstellung von Projektmitteln und der Hilfe bei Antragsstellungen.

Ebenso zählen hier Lehrerfortbildungen dazu, auch wenn diese in der Regel über die Schulen finanziert werden. Inhaltlich werden hier die Klassenlehrer und Fachlehrer für die Altersgruppe und Unterrichtsthemen sensibilisiert, bekommen Informationen und Anknüpfungspunkte zu ihrem Fach und Impulse für die Erstellung eines Medienkonzeptes an der Schule. Darüber hinaus lernen sie Elemente des Medienpasses NRW kennen und anzuwenden.

Einbindung jugendlicher Multiplikatoren (Peers/Scouts)
Interessierte Jugendliche werden in Jugendarbeit und Schule zu Netzwerkscouts/Medien-Scouts ausgebildet. Sie reflektieren die eigene Mediennutzung, lernen unterschiedliche Materialien und Methoden kennen und diese einzusetzen. Sie stehen Jüngeren als Ansprechpartner zur Verfügung und können in Problemsituationen Kontakte zu weiteren Ansprechpartnern (Vertrauenslehrern/Schulsozialarbeitern/Beratungsstellen) herstellen.

Durchführung von individuellen Angeboten/Medienkompetenztagen für die
Zielgruppe der 9-12 (14) Jährigen
Zusammen mit Pädagogen und Eltern vor Ort wird der Bedarf ermittelt. Wenn möglich werden Scouts/Paten etc. in Planung und Durchführung der pädagogischen Angebote und des Elternabends eingebunden. Schwerpunkte werden herausgesucht und benannt. Wiederkehrende Themen sind z.B.: Meine Bilder/Filme im Netz, Persönlichkeits-, Bild- und Urheberrechte, Cybermobbing, lokale Hilfsangebote, etc. Daraus werden konkrete, praktische Angebotsmodule entwickelt wie die Herstellung „sicherer Profilbilder“ oder eines Handyfilmes zum Thema Cybermobbing.

Das Projekt wird zeitlich, inhaltlich, finanziell und personell auf die Gegebenheiten vor Ort angepasst und abgestimmt. Mögliche Partner (Jugendamt/Beratungsstellen,…) werden frühzeitig informiert und, wenn möglich, eingebunden. Neben der Schulleitung wird auch die Öffentlichkeit (Pressearbeit) über das lokale Projekt informiert.
Neben der Durchführung von Medienkompetenztagen sind auch Angebote wie ein Internetführerschein/Handyführerschein (als Voraussetzung für die eigenständige Nutzung in einer Einrichtung) und weitere Angebote denkbar und sollten vorab vor Ort festgelegt werden.

Im Kreis Steinfurt setzen wir dieses „Vernetzungs-Modell“ seit einigen Jahren erfolgreich mit unterschiedlichen Schulformen und Jugendeinrichtungen um und werden dabei u.a. von den Jugendämtern und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW mit Projektmitteln unterstützt.

Weiter Informationen und „Praktisches“ findet sich im Netz,
(die Seiten sind allerdings noch im Aufbau).

www.netzwerk-Scouts.de
www.medienpaedagogik-nrw.de

 

Bild oben von Thomas Riedel via Twitter

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Markus Sindermann

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